Schön trinken war gestern, jetzt wird besser geschlafen: Der „Sleepy Girl Mocktail“ machte auf TikTok aus Sauerkirschsaft, Magnesium und Sprudel einen viralen Schlummertrunk. Doch braucht es wirklich einen Wellness-Cocktail für süße Träume? Diese Getränke können die abendliche Routine tatsächlich unterstützen.
Gute Nacht kann man jetzt trinken
Gesichtsmaske drauf, Smartphone weg, Licht dimmen – und noch schnell einen Drink mixen. Der Abendroutine ist ein neues Ritual gewachsen: der Sleepy Girl Mocktail. Die alkoholfreie Mischung aus Sauerkirschsaft, Magnesium und Sprudel wurde in den sozialen Netzwerken als Geheimwaffe für besseren Schlaf gefeiert.
Inzwischen geht der Trend in die nächste Runde. Statt nur eines bestimmten Drinks rücken immer mehr Getränke in den Fokus, die Entspannung und Schlaf unterstützen sollen. Von Sauerkirschsaft über Kräutertee bis zur guten alten warmen Milch ist alles dabei.
Sauerkirschsaft: Der Star im Schlafglas
Der wichtigste Bestandteil des ursprünglichen Sleepy Girl Mocktails ist Tart Cherry Juice, also Saft aus Sauerkirschen. Und ausgerechnet der hat tatsächlich einen wissenschaftlich interessanten Hintergrund.
Sauerkirschen enthalten unter anderem Melatonin, ein Hormon, das eine zentrale Rolle für den Schlaf-Wach-Rhythmus spielt. Kleinere Studien deuten darauf hin, dass Sauerkirschsaft bei bestimmten Personengruppen positive Effekte auf Schlafdauer oder Schlafqualität haben könnte. Die bisherige Studienlage ist allerdings noch überschaubar.
Ein magischer Schlummertrunk wird daraus also nicht. Als alkoholfreies Abendgetränk ist Sauerkirschsaft trotzdem eine interessante Option – idealerweise ohne unnötig viel zugesetzten Zucker.

Magnesium im Glas: Entspannung zum Trinken?
Magnesium ist der zweite Star des viralen Mocktails. Der Mineralstoff ist unter anderem an der normalen Funktion von Muskeln und Nervensystem beteiligt. Entsprechend schnell entstand die Vorstellung, eine Extraportion am Abend müsse automatisch tieferen Schlaf bedeuten.
Ganz so einfach ist es nicht. Forschungsergebnisse zu Magnesium und Schlaf sind bislang nicht eindeutig genug, um daraus ein universelles Einschlafrezept abzuleiten. Vor allem bei einem bestehenden Magnesiummangel kann eine ausreichende Versorgung sinnvoll sein – mehr bedeutet aber nicht automatisch besser schlafen.
Wer Magnesium supplementieren möchte, sollte außerdem auf Dosierung und Produkt achten. Denn zu viel davon kann statt süßer Träume vor allem eines bescheren: ziemlich dringende nächtliche Ausflüge ins Badezimmer.
Kamillentee: Oma hatte einen Punkt
Manchmal braucht es eben keinen neuen Trendnamen. Kamillentee gehört seit Generationen zur klassischen Abendroutine und erlebt im Zuge des Sleep-Wellness-Booms ein kleines Revival.
Kamille enthält Apigenin, einen Pflanzenstoff, der mit bestimmten Rezeptoren im Gehirn interagiert und mit beruhigenden Effekten in Verbindung gebracht wird. Auch hier sollte keine Wirkung à la Schlaftablette erwartet werden. Ein warmer, koffeinfreier Tee kann aber hervorragend Teil eines entspannenden Abendrituals sein.
Und manchmal beginnt Müdigkeit eben schon damit, dass eine dampfende Tasse signalisiert: Für heute ist Schluss.

Passionsblume & Melisse: Kräuter für den Feierabend
Auch Passionsblume und Zitronenmelisse sind traditionelle Kandidaten für abendliche Kräutertees. Beide werden seit Langem mit Ruhe und Entspannung verbunden und finden sich deshalb häufig in sogenannten Schlaf- oder Gute-Nacht-Teemischungen.
Der Vorteil liegt nicht nur in den Pflanzen selbst. Ein festes Ritual kann dem Körper helfen, den Übergang vom aktiven Tag zur Nachtruhe einzuleiten. Jeden Abend zur ähnlichen Zeit Tee aufzubrühen, das Licht zu reduzieren und Laptop oder Smartphone beiseitezulegen, schafft einen wiederkehrenden Ablauf.
Der Tee macht dabei vielleicht nicht die ganze Arbeit – aber er bekommt eine ziemlich gute Nebenrolle.
Warme Milch: Comeback eines Kindheitsklassikers
Warme Milch mit Honig klingt weniger nach Wellness-Bar und mehr nach Kindheit bei Oma. Trotzdem steckt hinter dem Klassiker zumindest eine nachvollziehbare Idee.
Milch enthält Tryptophan, eine Aminosäure, die der Körper unter anderem für die Bildung von Serotonin und Melatonin benötigt. Die Mengen in einer einzelnen Tasse sind allerdings kein Schlafmittel. Viel wichtiger dürfte für viele Menschen der psychologische Effekt sein: Wärme, Vertrautheit und ein Ritual, das mit Ruhe verbunden wird.
Manchmal braucht guter Schlaf eben kein Superfood. Manchmal reicht Nostalgie in einer Tasse.
Goldene Milch: Wellness trifft Gewürzregal
Wer warme Milch gerne etwas Instagram-tauglicher hätte, landet schnell bei Golden Milk. Milch oder Pflanzendrink wird dabei meist mit Kurkuma und Gewürzen wie Zimt und Ingwer kombiniert.
Als direktes Einschlafmittel ist der goldene Drink nicht belegt. Warm, koffeinfrei und gemütlich ist er trotzdem – und damit durchaus geeignet, einen entspannten Tagesabschluss einzuläuten. Nur mit sehr viel Zucker sollte aus dem Abenddrink besser kein flüssiges Dessert werden. Der Körper möchte schließlich schlafen und keine Mitternachtsparty veranstalten.
Was besser nicht ins Gute-Nacht-Glas kommt
Während einige Getränke einen entspannten Abend begleiten können, arbeiten andere ziemlich zuverlässig dagegen. Kaffee ist der offensichtliche Kandidat, doch Koffein steckt auch in schwarzem und grünem Tee, Cola und vielen Energy Drinks. Da Koffein über mehrere Stunden wirken kann, kann selbst der Nachmittagskaffee bei empfindlichen Menschen später noch eine Rolle spielen.
Und dann wäre da Alkohol. Das Glas Wein am Abend macht zwar möglicherweise zunächst müde, verbessert den Schlaf aber nicht automatisch. Alkohol kann die Schlafarchitektur beeinträchtigen und dazu führen, dass die zweite Nachthälfte unruhiger wird.
Der klassische „Nightcap“ ist damit ausgerechnet als Schlafdrink eher schlecht besetzt.
Auch Wasser kennt eine Sperrstunde
Ausreichend zu trinken ist wichtig. Zwei große Flaschen Wasser direkt vor dem Zubettgehen nachzuholen, was tagsüber vergessen wurde, ist allerdings keine brillante Schlafstrategie.
Wer nachts mehrfach wegen einer vollen Blase aufwacht, bekommt von der perfekten Schlafroutine schließlich wenig mit. Größere Trinkmengen deshalb besser über den Tag verteilen und am späten Abend etwas zurückhaltender werden. Hydration: ja. Nächtlicher Hindernislauf Richtung Badezimmer: eher nein.
Der beste Sleepy Girl Drink ist nur die halbe Miete
Regelmäßige Schlafzeiten, ein dunkles und eher kühles Schlafzimmer, weniger Bildschirmlicht am späten Abend und ausreichend Bewegung tagsüber sind wesentlich weniger trendy – für guten Schlaf aber vermutlich interessanter als das schönste Mocktailglas.


