Ein Löffel Honig im Tee fühlt sich gleich ein bisschen besser an als gewöhnlicher Zucker. Natürlich, golden, mit gutem Image. Doch macht der Austausch auch gesundheitlich einen Unterschied?
Süß mit einem kleinen Heiligenschein
Honig hat einen gewissen Vertrauensvorsprung. Er kommt von Bienen, duftet je nach Sorte nach Blüten oder Wald und wirkt neben weißem Haushaltszucker fast wie die vernünftigere Wahl. Im Joghurt, beim Backen oder zum Süßen von Getränken landet er deshalb gern als vermeintlich gesunde Alternative. Nur: Natürlich ist nicht automatisch gesünder.
Auch Honig bleibt Zucker
Honig besteht überwiegend aus Zucker, vor allem aus Fruktose und Glukose. Die Weltgesundheitsorganisation zählt den darin enthaltenen Zucker zu den freien Zuckern, deren Aufnahme begrenzt werden sollte. Für die Ernährung macht es deshalb weniger Unterschied als oft gedacht, ob die Süße aus der Zuckerdose oder dem Honigglas kommt.
Honig bringt zwar je nach Sorte kleine Mengen weiterer Inhaltsstoffe mit. In üblichen Portionen machen sie ihn aber nicht zu einer bedeutenden Nährstoffquelle. Ein großzügiger Löffel wird dadurch nicht zum Gesundheitsbonus.

Weniger kann mehr schmecken
Sein Vorteil liegt vor allem im Geschmack. Während Haushaltszucker hauptsächlich süßt, bringt Honig ein eigenes Aroma mit. Ein wenig davon kann einem Naturjoghurt oder einer Salatsoße bereits eine besondere Note geben. Wer durch diesen kräftigeren Geschmack tatsächlich weniger Süßungsmittel verwendet, reduziert möglicherweise auch die Zuckermenge. Entscheidend bleibt jedoch die Portion.

Ein Austausch ist noch kein Upgrade
Der Honigkuchen wird nicht automatisch ausgewogener, nur weil kein Haushaltszucker im Rezept steht. Auch ein stark gesüßter Tee bleibt ein süßes Getränk. Sinnvoller als ein bloßer Austausch ist es, die Süße insgesamt nach und nach zu reduzieren. Die WHO empfiehlt, freie Zucker auf weniger als zehn Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, möglichst auf unter fünf Prozent.
Honig darf also bleiben – wegen seines Aromas und weil er schmeckt. Einen gesundheitlichen Freifahrtschein bekommt er dafür nicht.


