Am 27. August versammeln sich zahlreiche Fraueninitiativen vor dem Wiener Landesgericht für Strafsachen. Sie erinnern an die 2018 getötete Jennifer S. und fordern einen konsequenteren Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt.
Acht Jahre nach dem Tod der damals 21-jährigen Jennifer S. beginnt in Wien der Prozess gegen ihren ehemaligen Partner. Anlässlich der Strafverhandlung rufen Fraueninitiativen und Unterstützer:innen zu einer ganztägigen Mahnwache auf. Unter dem Motto „Gerechtigkeit für Jennifer und alle Opfer von Femiziden und Gewalt gegen Frauen“ soll vor dem Landesgericht für Strafsachen gemeinsam erinnert, angeklagt und Veränderung eingefordert werden.
Jennifer war eine lebensbejahende junge Frau mit vielen Interessen, Fähigkeiten und Plänen. Sie studierte Jus, als sie im Jänner 2018 aus ihrem Leben gerissen wurde. Da sie ihre Stimme selbst nicht mehr erheben kann, wollen Unterstützer:innen am Prozesstag für sie sprechen – und zugleich auf all jene Frauen und Mädchen aufmerksam machen, die von Gewalt betroffen sind.

Ein Tag des Erinnerns und des Protests
Die Mahnwache findet am Donnerstag, dem 27. August 2026, von 8.30 bis 19 Uhr gegenüber dem Wiener Landesgericht für Strafsachen statt. Die Teilnehmer:innen wollen nicht nur Jennifer gedenken, sondern auch ein sichtbares Zeichen gegen Femizide, Gewalt und strukturelle Versäumnisse im Gewaltschutz setzen.
Im Mittelpunkt stehen dabei ebenso die Erfahrungen der Angehörigen. Fraueninitiativen kritisieren, dass Betroffene und Familien in Verfahren nicht immer ausreichend ernst genommen würden. Auch Victim Blaming, unsensibles Vorgehen und daraus entstehende sekundäre Traumatisierungen seien weiterhin ein Problem.
Gewalt gegen Frauen ist keine Ausnahme
Wie groß das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut der EU-weiten Erhebung zu Gewalt gegen Frauen haben 35,7 Prozent der Frauen in Österreich im Erwachsenenalter körperliche Gewalt oder Drohungen beziehungsweise sexuelle Gewalt erlebt. Damit ist mehr als jede dritte Frau betroffen.
Auch die Expert:innengruppe GREVIO des Europarates verweist auf die anhaltend hohe Zahl getöteter Frauen in Österreich. Zwischen 2019 und 2022 wurden demnach durchschnittlich drei Frauen pro Monat getötet.
Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer: Viele Gewalttaten werden aus Angst, Scham oder mangelndem Vertrauen in die Behörden nicht angezeigt. Die Initiator:innen der Mahnwache fordern deshalb rasche Ermittlungen, eine konsequente Sicherung von Beweisen und einen sensibleren Umgang mit Betroffenen.
Was die Initiativen fordern
Der Aufruf richtet sich auch an Justiz und Bundesregierung. Gefordert werden unter anderem:
- eine unabhängige Untersuchung der Frage, warum es im Fall Jennifer S. beinahe acht Jahre bis zur Festnahme des Beschuldigten dauerte
- ein konsequentes und rasches Vorgehen der Behörden bei sämtlichen Fällen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen
- wirksamer Schutz, die konsequente Verfolgung von Gewalttaten und angemessene Entschädigungen für Betroffene und Angehörige
- klare Richtlinien sowie verpflichtende Schulungen für relevante Berufsgruppen
- Verantwortung und Konsequenzen bei Untätigkeit, behördlichem Fehlverhalten, Victim Blaming oder Diskriminierung
- eine ständige Kommission aus unabhängigen Expert:innen, die Femizide und versuchte Femizide untersucht und die Angehörigen der Opfer verbindlich einbezieht
Gemeinsam ein sichtbares Zeichen setzen
Die Mahnwache versteht sich als öffentlicher Aufruf, nicht wegzusehen. Sie soll Jennifer und allen Opfern geschlechtsspezifischer Gewalt eine Stimme geben und deutlich machen: Gewalt gegen Frauen ist kein privates Problem, sondern eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Alle Informationen auf einen Blick
Was: Ganztägige Mahnwache „Gerechtigkeit für Jennifer und alle Opfer von Femiziden und Gewalt gegen Frauen“
Wann: Donnerstag, 27. August 2026, 8.30 bis 19 Uhr
Wo: Gegenüber dem Landesgericht für Strafsachen Wien, Wickenburggasse/Alser Straße, 1080 Wien
Teilnahme: Alle Unterstützer:innen und solidarischen Menschen sind eingeladen.
Anmerkt. der Redaktion: Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder sich bedroht fühlt, erreicht die österreichweite Frauenhelpline unter 0800 222 555 kostenlos, anonym und rund um die Uhr. In akuter Gefahr gilt der Polizeinotruf 133.



