Eine Vase, die auch ohne Blumen auffällt, ein Hocker mit Skulpturpotenzial oder ein Teppich, der beinahe an die Wand gehört: Functional Art macht Gebrauchsgegenstände zu kleinen Kunstwerken. Der neue Interior-Trend bringt mehr Persönlichkeit in die eigenen vier Wände und funktioniert längst nicht nur mit kostspieligen Einzelstücken aus Designgalerien.
Wenn die Sitzgelegenheit plötzlich Kunst ist
Kann man sich daraufsetzen oder sollte man es lieber ehrfürchtig betrachten? Bei manchen Möbeln und Wohnaccessoires lässt sich diese Frage nicht auf den ersten Blick beantworten. Genau das macht ihren Reiz aus. Functional Art bewegt sich zwischen Gestaltung und Gebrauch: Die Objekte erfüllen eine praktische Aufgabe, besitzen aber zugleich eine so eigenständige Formensprache, dass sie auch als Kunstwerk bestehen könnten.

Dazu zählen skulpturale Beistelltische, ungewöhnliche Leuchten, handgefertigte Keramik oder Spiegel, bei denen die Reflexion beinahe zur Nebensache wird. Selbst Teppiche und Kissen übernehmen plötzlich mehr als eine gemütliche Nebenrolle. Sie bringen Farbe, Struktur und eine Idee in den Raum – und manchmal auch Gesprächsstoff. Spätestens bei der Frage, ob der extravagante Stuhl tatsächlich benutzt werden darf, dürfte die Unterhaltung ohnehin eröffnet sein.
Das Ende der perfekten Katalogwohnung
Lange galten makellos aufeinander abgestimmte Räume als das Nonplusultra. Neutrale Farben, klare Linien und möglichst wenig herumstehende Persönlichkeit sorgten für jene Art von Ordnung, die im Alltag selten länger als bis zum ersten Kaffee anhält. Inzwischen verändert sich der Blick auf das Wohnen.
Zu den prägenden Interior-Trends 2026 gehören Räume, die bewohnt, gesammelt und individuell wirken dürfen. Statt austauschbarer Perfektion rücken charaktervolle Einzelstücke, sichtbares Handwerk und persönliche Geschichten in den Mittelpunkt. Ein Zuhause soll nicht mehr aussehen, als könnte jeden Moment ein Möbelkatalog darin fotografiert werden.



Functional Art passt perfekt zu diesem Wandel. Die Objekte wirken nicht wie Dekoration, die lediglich eine freie Ecke füllt. Sie setzen bewusste Akzente und erzählen etwas über die Menschen, die sie ausgewählt haben. Dabei darf das Ergebnis ruhig eigenwillig sein. Schließlich besitzt ein Gegenstand mit Ecken, Kanten und einer starken Idee meist mehr Charme als das fünfte beigefarbene Accessoire, das niemandem wehtut – aber leider auch niemandem auffällt.
Ein Statement reicht meistens aus
So verlockend die Vorstellung einer privaten Designgalerie auch sein mag: Functional Art wirkt am besten, wenn einzelne Objekte genügend Raum bekommen. Ein skulpturaler Beistelltisch vor einer ruhigen Wand, eine auffällige Leuchte über dem Esstisch oder ein farbintensiver Teppich können bereits die gesamte Stimmung verändern.
Neutrale Flächen lassen extravagante Formen stärker hervortreten. Umgekehrt kann ein zurückhaltend gestaltetes Kunstobjekt in einem farbenfrohen Raum für die nötige Ruhe sorgen. Auch wiederkehrende Töne schaffen Verbindung. Taucht die Farbe einer Vase noch einmal in einem Kissen oder Bild auf, wirkt das Arrangement durchdacht, ohne angestrengt auszusehen.

Mehrere Statement-Pieces dürfen durchaus zusammenkommen, sollten sich aber nicht gegenseitig übertönen. Wenn Tisch, Lampe, Teppich und Spiegel gleichzeitig nach Aufmerksamkeit verlangen, fühlt sich das Wohnzimmer schnell wie eine Vernissage an, bei der alle Gäste einen Monolog halten.
Sieben Handschriften, 22 Wohnobjekte
Wie fließend die Grenze zwischen Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand geworden ist, zeigt auch die limitierte KONSTRUNDA-Kollektion von IKEA. Sie umfasst 22 Wohnobjekte von sieben internationalen Kreativen und reicht von Vasen und Dekorationen über Teppiche und Textilien bis zu Spiegeln, Hockern und Beistelltischen.
Mit dabei sind unter anderem der italienische Designer Emanuele Stamuli, die schwedische Gestalterin Lisa Reiser, der in London lebende multidisziplinäre Künstler Andu Masebo und die indische Designerin Akanksha Deo. Ihre Arbeiten unterscheiden sich in Materialien, Farben und kulturellen Einflüssen, verbindet jedoch eine gemeinsame Idee: Kunst soll nicht zwingend in einer Galerie stattfinden oder unerreichbar bleiben.
Der Name KONSTRUNDA lässt sich sinngemäß als „Kunstrunde“ oder „Kunstspaziergang“ übersetzen. Statt von einem Ausstellungsraum zum nächsten führt dieser Spaziergang allerdings durch das eigene Zuhause. Die Kollektion ist seit 1. September 2026 erhältlich. Falls also künftig jemand fragt, ob das nun Kunst oder ein Sessel ist, lautet die einzig richtige Antwort: beides.


