Hex, Hex, Hurra: Die zauberhaften Schwestern sind zurück!

Londonpremiere der Fortsetzung des Kultfilm um Sandra Bullock und Nicole Kidman. © Fred Duval / Shutterstock.com

Fast drei Jahrzehnte nach dem Kultfilm „Practical Magic“ schlüpfen Sandra Bullock und Nicole Kidman erneut in die Rollen der Hexenschwestern Sally und Gillian Owens. Am 10. September kommt die Fortsetzung in die Kinos bringt jedoch nicht nur Magie und 90er-Nostalgie zurück ins Kino, sondern auch eine Geschichte über weiblichen Zusammenhalt, das Älterwerden und die Kraft, die in der eigenen Familie steckt.


Manche Schwestern brauchen keine Worte, nur einen Zauberspruch

Es gibt Filmduos, die bleiben. Thelma und Louise. Romy und Michele. Und natürlich Sally und Gillian Owens, die 1998 bewiesen, dass sich ein gefährlicher Ex notfalls auch mit einem Hexenzirkel, reichlich Kerzenlicht und vereinten Kräften aus dem Leben befördern lässt. Nicht unbedingt die klassische Trennungsstrategie, aber ausgesprochen wirkungsvoll.

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Nun kehren Sandra Bullock und Nicole Kidman in „Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern“ auf die große Leinwand zurück. 28 Jahre sind seit dem Original vergangen, doch die besondere Mischung aus Romantik, schwarzem Humor, Hexerei und Sisterhood hat kaum an Anziehungskraft verloren. Im Gegenteil: Vielleicht passt die Geschichte der Owens-Frauen heute sogar besser in die Zeit als bei ihrem ersten Auftritt.

Vom Kino-Flop zum Kultfilm

Als „Practical Magic“ 1998 erschien, wusste die Kritik mit dem wilden Genremix zunächst wenig anzufangen. Der Film war romantische Komödie, Familiendrama, Fantasygeschichte und stellenweise überraschend düsterer Thriller zugleich. Genau diese eigenwillige Kombination wurde später jedoch zu seiner größten Stärke.

Während andere romantische Filme jener Zeit vor allem die Suche nach Mr. Right zelebrierten, erzählte „Practical Magic“ von zwei Frauen, deren wichtigste Liebesgeschichte nicht mit einem Mann, sondern miteinander stattfand. Sally und Gillian konnten noch so unterschiedliche Wege einschlagen, am Ende waren sie füreinander da. Diese Botschaft hat den Film über die Jahre zu einem Kultklassiker gemacht – ebenso wie das viktorianische Hexenhaus, die beneidenswert langen Haare und jene legendären Mitternachts-Margaritas, die vermutlich bis heute für spontane Limettenkäufe sorgen.

Die Magie liegt in der Familie

Die Fortsetzung setzt rund 25 Jahre nach den Ereignissen des ersten Teils ein. Sally und Gillian müssen sich erneut mit dem Fluch auseinandersetzen, der ihre Familie seit Jahrhunderten verfolgt. Als Sallys Tochter Kylie verborgene Geheimnisse entdeckt und zugleich ihre eigenen dunklen Fähigkeiten entwickelt, gerät die nächste Generation der Owens-Frauen in Gefahr.

Um den Ursprung ihrer Magie zu finden und den Bann endgültig zu brechen, führt die Reise die Familie von Massachusetts nach Großbritannien. Damit wird aus der Geschichte zweier Schwestern ein generationsübergreifendes Abenteuer. Neben Sandra Bullock und Nicole Kidman kehren auch Stockard Channing und Dianne Wiest als die herrlich exzentrischen Tanten Franny und Jet zurück. Neu dabei sind Joey King und Maisie Williams als Sallys inzwischen erwachsene Töchter sowie Lee Pace, Xolo Maridueña und Solly McLeod.

Regie führt Susanne Bier, die bereits bei „Bird Box“ mit Sandra Bullock zusammenarbeitete und mit „The Undoing“ bewies, dass Nicole Kidman, düstere Geheimnisse und atmosphärisch perfekte Häuser eine ziemlich überzeugende Kombination ergeben. Das Drehbuch stammt von Akiva Goldsman, der schon am Original beteiligt war, und „Succession“-Autorin Georgia Pritchett. Als Vorlage dient teilweise Alice Hoffmans Roman „The Book of Magic“.

Sisterhood statt ewiger Jugend

Besonders spannend ist nicht nur, dass Sally und Gillian zurückkehren, sondern wie. Sandra Bullock und Nicole Kidman spielen keine künstlich eingefrorenen Versionen ihrer Figuren aus den 90ern. Ihre Rollen sind älter geworden, haben Kinder großgezogen, Verluste erlebt und tragen eine jahrhundertealte Familiengeschichte mit sich herum. Dagegen wirkt selbst eine schlecht organisierte Familienfeier beinahe entspannend.

Hollywood erzählt Frauen jenseits der 50 noch immer erstaunlich häufig als Randfiguren, Mütter oder Mentorinnen. In „Practical Magic 2“ stehen sie dagegen im Zentrum einer großen Kinogeschichte. Sie dürfen begehrenswert, kompliziert, lustig, mächtig und sichtbar sein, ohne so zu tun, als wären seit 1998 nur zwei besonders lange Sommer vergangen.

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Gerade darin liegt der zeitgemäße Zauber des Comebacks. Die Owens-Schwestern müssen ihre Vergangenheit nicht abschütteln, um relevant zu bleiben. Ihre Erfahrungen sind vielmehr Teil ihrer Stärke. Älterwerden bedeutet hier nicht, langsam aus der Handlung zu verschwinden, sondern endlich genug Familiengeheimnisse zu kennen, um sie gründlich aufzumischen.

Sandra Bullock feiert ihr Kino-Comeback

Für Sandra Bullock markiert „Practical Magic 2“ zugleich die Rückkehr auf die Leinwand nach einer mehrjährigen Pause. Gemeinsam mit Nicole Kidman übernimmt sie bei der Fortsetzung außerdem eine Produzentinnenrolle. Dass beide Frauen die Geschichte nicht nur vor der Kamera weitererzählen, sondern auch hinter den Kulissen mitgestalten, passt ausgesprochen gut zu einem Film über Selbstbestimmung und weibliche Verbundenheit.

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Die Chemie zwischen den beiden Stars war bereits im Original das Herzstück der Handlung. Sally ist kontrollierter, vorsichtiger und versucht lange, ihre Fähigkeiten zu verdrängen. Gillian lebt spontaner, wilder und trägt ihre Andersartigkeit wie ein besonders gutes Kleid. Gegensätzlicher könnten Schwestern kaum sein und genau deshalb gehören sie zusammen.

Bereit für Mitternachts-Margaritas?

„Practical Magic 2“ vereint gleich mehrere Zutaten, die derzeit zuverlässig verzaubern: 90er-Nostalgie, Gothic Romance, gut gehütete Familiengeheimnisse und eine neue Generation mit reichlich magischem Potenzial. Alte Fans dürften sich ohnehin bereitwillig ins Kino locken lassen. Wirklich spannend wird die Fortsetzung aber dort, wo sie nicht versucht, die Vergangenheit einfach noch einmal heraufzubeschwören.

Sally und Gillian sind längst keine jungen Frauen mehr, die ihren Platz erst finden müssen. Sie haben gelebt, geliebt, verloren und vermutlich mehr als einen Zauber gründlich vermasselt. Nun gilt es herauszufinden, was ihre Erfahrungen für die nächste Generation bedeuten. Bleibt noch zu klären: Wer besorgt Tequila und Limetten?