Women of the Week: Zwei Stil-Ikonen, ein Vermächtnis für die Ewigkeit

Bild Cher: ©APA-Images / AFP / ANGELA WEISS; Bild Jackie Kennedy: ©APA-Images / brandstaetter images / Barbara Pflaum

Zwei Frauen, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch mehr gemeinsam haben, als es auf den ersten Blick scheint: Cher feiert ihren 80. Geburtstag, Jacqueline Kennedy Onassis starb vor über 30 Jahren im Mai 1994. Die eine laut, exzentrisch und popkulturell unsterblich. Die andere elegant, kontrolliert und bis heute Synonym für Klasse. Zwei Frauen, zwei Stilikonen und beide haben definiert, wie weibliche Sichtbarkeit aussehen kann.


Die eine trug Bob Mackie, die andere Oleg Cassini

Cher machte Mode nie nur tragbar – sie machte sie spektakulär. Transparenz, Federn, Glitzer, Haut: ihre Looks waren keine Outfits, sondern Ansagen. Niemand trug Bob Mackie so kompromisslos wie sie. Jahrzehnte bevor „fashion as performance“ zum roten-Teppich-Standard wurde, lebte Cher genau das bereits. Ihr Stil war laut, rebellisch, bewusst überzeichnet und genau deshalb revolutionär. 

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Jackie Kennedy Onassis dagegen perfektionierte das Gegenteil. Pillbox-Hat, weiße Handschuhe, klare Linien, französische Zurückhaltung. Ihre Looks wirkten nie zufällig. Sie waren politische Soft Power. Als First Lady machte sie Eleganz zur Staatsangelegenheit und definierte das Bild moderner Weiblichkeit in den frühen 1960ern neu. Noch heute gilt sie als Blaupause für „timeless chic“.

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Stil als Sprache und als Macht

Was Cher und Jackie verbindet: Beide verstanden früh, dass Kleidung nie nur Kleidung ist. Bei Cher war Stil ein Mittel der Selbstermächtigung. Als Frau in einer männerdominierten Musikindustrie nutzte sie Mode, um Kontrolle über ihr Image zu behalten. Es war provokant, selbstbestimmt, unangepasst. Jackie nutzte Mode anders: subtiler, strategischer. Sie inszenierte über Kleidung nicht sich selbst, sondern ein ganzes Narrativ – das von Camelot, amerikanischer Eleganz und kultureller Raffinesse. Der restaurierte Weiße Haus-Stil? Auch das war Jackie.

Skandale, Schlagzeilen und die Kunst, sie zu überleben

Natürlich waren beide nie frei von Kontroversen. Bei Cher gehörten Schlagzeilen fast zum Markenzeichen: ihre Beziehung zu Sonny Bono, die Scheidung, ihre offen gelebte Sexualität, ihre radikalen Looks und später ihre politische Klarheit. Sie war immer zu laut für ihre Kritiker und genau deshalb so relevant.

Jackie wiederum löste mit ihrer Hochzeit mit Aristotle Onassis 1968 einen kulturellen Schock aus. Für viele Amerikaner war die „Witwe der Nation“ plötzlich nicht mehr unantastbar. Sie wurde kritisiert und entzog sich daraufhin noch konsequenter dem öffentlichen Zugriff. Aus heutiger Sicht war genau das vielleicht ihre größte Stärke: Kontrolle über die eigene Geschichte. 

Engagement: unterschiedliche Wege, gleiche Wirkung

Cher war immer laut, auch politisch. Ob LGBTQ+-Rechte, HIV/AIDS-Aufklärung, Veteranenhilfe oder zuletzt politische Kampagnen: Sie nutzt ihre Reichweite seit Jahrzehnten aktiv. Für viele ist sie nicht nur Popstar, sondern Aktivistin. Jackie hingegen engagierte sich leiser, aber nicht weniger nachhaltig. Ihr Einsatz für Denkmalpflege, Kunst und Kultur – allen voran die Restaurierung des Weißen Hauses und der Schutz historischer Orte wie Lafayette Square – prägt ihre Legacy bis heute. Sie machte Kultur zu einer öffentlichen Aufgabe. 

Legacy: Warum beide bis heute nachwirken

Heute zitieren Designer, Stylisten und Popstars beide Frauen permanent – oft, ohne dass es ausgesprochen wird. Cher lebt in Popkultur weiter. Jackie in jeder Capsule Wardrobe. Zendaya trägt Cher-Hommagen auf dem roten Teppich. Hailey Bieber, Meghan Markle oder Amal Clooney bedienen sich bei Jackie-Codes: klare Mäntel, große Sonnenbrillen, monochrome Eleganz.

Cher und Jackie Kennedy Onassis könnten unterschiedlicher kaum sein und genau deshalb funktionieren sie bis heute als Gegenspielerinnen einer großen Idee: Weiblichkeit als Ausdruck von Haltung. Die eine sagte: „Schaut her.“
Die andere sagte: „Ihr könnt nicht wegsehen.“ Und beide sind im Recht.