Jeans, die teilweise aus ausrangierten Baumwolltextilien entstehen? Klingt nach Zukunftsmusik, kommt bei ARMEDANGELS aber jetzt in größerer Stückzahl in den Kleiderschrank. Nach einer ausverkauften Pilotkollektion wird die Recyclingfaser SaXcell® ab Herbst/Winter 2026 Teil des regulären Denim-Programms für Damen und Herren.
Vom Versuchslabor in den Kleiderschrank
Nachhaltige Materialinnovationen gibt es inzwischen einige. Viele schaffen es allerdings kaum über eine kleine Testkollektion hinaus. Sie sorgen kurz für Aufmerksamkeit, verschwinden wieder – und die Modewelt dreht sich weiter wie gehabt. ARMEDANGELS und der niederländische Textilinnovator SaXcell® wollen zeigen, dass es auch anders geht.
Im Frühjahr 2025 brachte das Kölner Label als erste Marke weltweit eine kommerzielle Kollektion mit der neuartigen Zellulosefaser auf den Markt. Die Teile waren ausverkauft, die Nachfrage entsprechend eindeutig. Für Herbst/Winter 2026 folgt nun der nächste Schritt: Aus dem Pilotprojekt wird ein breiter aufgestelltes Jeansprogramm für Frauen und Männer.
Jeans mit Vergangenheit
SaXcell® Lyocell besteht zu 30 Prozent aus recycelten Baumwollabfällen, die sowohl aus Produktionsresten als auch aus bereits getragenen Textilien stammen. Die übrigen 70 Prozent entfallen auf FSC-zertifizierten Holzzellstoff. Beides wird in einem geschlossenen Lyocell-Verfahren zu einer Faser verarbeitet, die qualitativ mit Neuware mithalten soll.
Für die neuen Modelle kombiniert ARMEDANGELS 57 Prozent Bio-Baumwolle mit 43 Prozent SaXcell® Lyocell. Das Ergebnis soll sich also nicht nach gut gemeintem Recyclingversuch anfühlen, sondern nach genau dem, was eine Lieblingsjeans sein sollte: hochwertig, tragbar und bereit für deutlich mehr als eine Saison.


Durch den Anteil wiederverwerteter Baumwolle wird weniger neuer Holzzellstoff benötigt als bei konventionellem Lyocell. Zusätzliche Ackerflächen oder Pestizide fallen für diesen Bestandteil ebenfalls nicht an. Zudem ist das Material entlang der gesamten Lieferkette zertifiziert und rückverfolgbar.
Die große Lücke im Recyclingkreislauf
Die Zahlen zeigen, warum solche Entwicklungen dringend gebraucht werden. 2024 machten wiederverwertete Fasern lediglich 7,6 Prozent der weltweiten Produktion aus. Hinter diesem Anteil steckt größtenteils recyceltes Polyester, das überwiegend aus PET-Flaschen gewonnen wird.
Echtes Textil-zu-Textil-Recycling kam dagegen weiterhin auf weniger als ein Prozent. Alte Kleidung wird also noch viel zu selten zu neuer Kleidung – obwohl genau darin einer der wichtigsten Hebel für eine zirkulärere Branche liegt. „Fashion hat kein Recycling-Problem, weil die Technologie fehlt. Viele Lösungen sind längst da“, erklärt Julia Kirschner, Impact & Innovation Director bei ARMEDANGELS. Die eigentliche Herausforderung bestehe darin, erfolgreiche Versuche in eine langfristige kommerzielle Realität zu überführen.

Bye-bye, One-Hit-Wonder
Ein innovativer Stoff allein verändert noch keine Industrie. Entscheidend ist, ob er in ausreichender Menge produziert, zuverlässig verarbeitet und dauerhaft in Kollektionen eingesetzt werden kann. Genau an diesem Punkt scheitern zahlreiche vielversprechende Entwicklungen – ein bisschen wie gehypte It-Pieces, die nach einer Saison spurlos von der Bildfläche verschwinden.


Für SaXcell® soll es anders laufen. Nach der positiven Resonanz auf den ersten Launch bauten beide Unternehmen gemeinsam die Produktionskapazitäten aus. Die Faser wird nun fester Bestandteil von DETOXDENIM und damit in einer Kernkategorie der Marke eingesetzt. SaXcell® unterstützt den Ausbau unter anderem mit Qualitäts- und Ökobilanzdaten, RCS-Zertifizierung, physischer Rückverfolgbarkeit sowie Informationen, die künftig für digitale Produktpässe genutzt werden können. „Unsere Zusammenarbeit mit ARMEDANGELS zeigt, wie Innovation und starke Partnerschaften den Übergang zu wirklich zirkulären Textilien beschleunigen können“, sagt SaXcell®-CEO Pramod Agrawal.
Und was kommt als Nächstes?
Mit dem erweiterten Jeansangebot ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. ARMEDANGELS und SaXcell® prüfen bereits, wie ausgediente Baumwollprodukte der Marke künftig direkt gesammelt und wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden könnten.
Die Vision: Aus einer alten ARMEDANGELS-Jeans entsteht irgendwann Rohstoff für eine neue. Bis ein solcher geschlossener Kreislauf im großen Stil funktioniert, bleibt noch einiges zu tun. Doch dass SaXcell® nicht nach einer einzigen Kollektion wieder in der Schublade verschwindet, ist ein wichtiger Schritt – und für Denim definitiv ein Comeback mit Substanz.


