Weltkrebstag 2026: Krebs im Alter im Fokus

Zum Weltkrebstag am 4. Februar 2026 präsentieren die Österreichische Krebshilfe und die OeGHO den Österreichischen Krebsreport 2025. Im Mittelpunkt stehen die wachsenden Herausforderungen der Krebsfrüherkennung und Versorgung älterer Patient:innen – und die Strategien, die es jetzt braucht.


Krebs und Alter: Eine neue Realität

Der demographische Wandel verändert die Krebslandschaft spürbar. Mit steigender Lebenserwartung wächst auch die Zahl älterer Menschen, die mit einer Krebsdiagnose konfrontiert sind. Schon heute wird der Großteil aller Krebserkrankungen bei Personen über 65 Jahren festgestellt – und dieser Anteil wird weiter steigen. Für das Gesundheitssystem bedeutet das neue Anforderungen, vor allem in der Früherkennung, Diagnostik und Therapie.

Viele bestehende Früherkennungsprogramme und Leitlinien orientieren sich an jüngeren, vergleichsweise gesunden Menschen. Im höheren Alter greifen diese Konzepte jedoch oft zu kurz. Chronische Begleiterkrankungen, altersbedingte Veränderungen und eine geringere Belastbarkeit beeinflussen nicht nur den Krankheitsverlauf, sondern auch, welche Therapien sinnvoll und gut verträglich sind.

Individuell statt schematisch

Gerade bei älteren Patient:innen gewinnt eine ganzheitliche Betrachtung an Bedeutung. Medizinische Entscheidungen sollten nicht am Geburtsdatum festgemacht werden, sondern an der gesamten gesundheitlichen Situation. Dazu zählen körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit, Begleiterkrankungen, soziale Rahmenbedingungen und persönliche Wünsche. Ziel ist eine Behandlung, die nicht nur wirksam ist, sondern auch zur Lebensrealität der Betroffenen passt.

Therapieziel vor Therapieplan

Eine altersgerechte Krebsversorgung braucht interdisziplinäre Zusammenarbeit und flexible Versorgungsstrukturen. Maßgeschneiderte Empfehlungen und gemeinsame Entscheidungsprozesse helfen, die Balance zwischen Therapieerfolg, Lebensqualität und Belastung zu finden. Der Leitsatz lautet dabei klar: Therapieziel vor Therapieplan. „Um diese hohe Qualität der Versorgung angesichts massiv steigender Zahlen zu halten, wird es notwendig sein, die besonderen Bedürfnisse älterer onkologischer Patient*innen bei der Gesundheitsplanung medizinisch und organisatorisch optimal zu berücksichtigen,“ so Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, wissenschaftliche Leiterin des Österreichischen Krebsreports“.

Wenn Zahlen die Dimension zeigen

Mehr als 60 Prozent aller Menschen mit einer Krebsdiagnose in Österreich sind heute 65 Jahre oder älter. Bis 2040 wird dieser Anteil auf über 75 Prozent steigen. Gleichzeitig verdoppelt sich die absolute Zahl der über 65-Jährigen mit einer Krebsdiagnose innerhalb weniger Jahrzehnte.  „Die Bedeutung eines dauerhaft gesunden Lebensstils – einschließlich regelmäßiger Bewegung, Nichtrauchens und der Vermeidung von Übergewicht – sollte daher durch verständliche Aufklärung, alltagsnahe Unterstützung und motivierende Angebote seitens der Politik noch deutlicher vermittelt werden. Nur so können die Chancen auf ein gesundes und selbstbestimmtes Altern verbessert werden,“ so Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda. „Gerade für ältere Menschen sollte bei dem Thema Krebsfrüherkennung ein besonderer Fokus darauf liegen, welche Untersuchungen individuell sinnvoll sind, um Lebensqualität und Mobilität zu erhalten unter besonderer Berücksichtigung von Komorbiditäten. Ziel muss es sein, informierte Entscheidungen zu ermöglichen und gleichzeitig die Inanspruchnahme evidenzbasierter Vorsorgeangebote zu stärken.“

Der Krebsreport 2025 widmet sich diesen Herausforderungen ausführlich – und zeigt zugleich positive Entwicklungen. Analysen zu innovativen Krebsmedikamenten belegen, dass diese in Österreich auch bei Hochbetagten eingesetzt werden. Verbesserungen im Überleben sind bei älteren Patient:innen ebenso sichtbar wie bei jüngeren. Um dieses hohe Versorgungsniveau langfristig zu sichern, müssen die besonderen Bedürfnisse älterer Krebspatient:innen stärker in die Gesundheitsplanung einfließen.

Komplexe Versorgung braucht neue Blickwinkel

„Die Versorgung von älteren und alten Menschen mit Krebserkrankungen ist im klinischen Alltag eine besondere Herausforderung, da diese Patientengruppe neben der Krebserkrankung häufig mit weiteren – oft internistischen – Diagnosen konfrontiert ist,“ so Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO). Um hier die richtigen Entscheidungen zu treffen, kommen zunehmend standardisierte Verfahren zum Einsatz, die medizinische, funktionelle, psychische und soziale Aspekte erfassen. Sie helfen, Übertherapien, unnötige Medikamentenkombinationen und Wechselwirkungen zu vermeiden.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die stärkere Einbindung älterer Menschen in klinische Studien. Nur so lassen sich Therapien entwickeln, die den realen Bedürfnissen dieser wachsenden Patient:innengruppe gerecht werden.

Eine Basis für die Zukunft

„Der österreichische Krebsreport liefert eine bedeutende und fundierte Grundlage für Medizin, Politik und Forschung. Auf seiner Basis kann eine vorausschauende Gesundheitspolitik gestaltet werden, die den aktuellen und künftigen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Krankheit Krebs effizient, aber auch menschlich begegnet,“ so Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates. „Ich danke den Herausgebern, dass sich der diesjährige Krebsreport insbesondere mit dem Thema „Krebs im Alter“ beschäftigt hat.“ 

Die Herausgeber vom Österreichischen Krebsreport – die Österreichische Krebshilfe und die OeGHO – danken dem Redaktionsteam, allen Autor:innen, der Statistik Austria und der Gesundheit Österreich GmbH für die enge und hervorragende Zusammenarbeit. 

Doris Kiefhaber (Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe), Birgit Gerstorfer, MBA (Präsidentin Österr. Seniorenrat), Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl (Medizinische Leiterin der OeGHO), Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll (Präsident Österr. Gesellschaft für Hämatologie und Med. Onkologie (OeGHO), Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda (Präsident Österr. Krebshilfe), Walter Voitl-Bliem, MBA (Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie)

alle Bilder: © OeGHO/APA-Fotoservice/ Ludwig Schedl

Mehr Informationen unter

Österreichische Krebshilfe
Doris Kiefhaber – Geschäftsführung
Tel. +43 676 502 43 72
E-Mail: kiefhaber@krebshilfe.net 

Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
Walter Voitl-Bliem – Geschäftsführung
Tel. +43 664/405 36 46
E-Mail: Walter.Voitl-Bliem@oegho.at