Wien hat Beauty auf dem Radar

Aufwendige Pflegerituale haben in Wien Geschichte. Heute reicht das Spektrum von heimischer Naturkosmetik bis zu Hightech-Anwendungen für die Regeneration. Ein Blick auf eine Stadt, die sich der Schönheit auf sehr unterschiedliche Weise widmet.


Schönheit mit Wiener Handschrift

Sisi hätte über einen ausgedehnten Beauty-Termin vermutlich nur milde gelächelt. In der Wiener Hofburg nahm allein die Pflege ihrer berühmten Haarpracht Stunden in Anspruch. Die Kaiserin nutzte die Zeit zum Sprachenlernen. Im selben Raum absolvierte sie ihre Turnübungen; Sprossenwand, Reck und Ringe sind bis heute erhalten. Haarpflege mit anschließendem Workout war also lange vor dem ersten Lifestyle-Feed ein Thema.

Die kaiserliche Disziplin taugt kaum als entspannte Alltagsvorlage. Interessant ist aber, wie selbstverständlich Schönheit damals bereits mit Ritualen und körperlicher Betätigung verbunden war. Heute lässt sich Wiens Beauty-Szene auch jenseits imperialer Spiegel entdecken: in Apotheken, kleinen Manufakturen und Naturparfümerien. Saint Charles, Lederhaas oder Staudigl stehen beispielhaft für diese lokale Vielfalt zwischen Pflanzenrezepturen, Duft und Pflege. Ein einziges Wiener Schönheitsideal? Dafür sind die Zugänge erfreulich unterschiedlich.

Weniger Schichten, mehr Hautgefühl

Eine überschaubare Routine verfolgt die Wiener Marke Your Skin Loves Me. Gründerin Sonja Panagiotides, die mehr als 23 Jahre Erfahrung in der medizinischen Kosmetik mitbringt, beschränkt ihr Sortiment auf zwei Cremes und ein Ölserum. Ihre Inspiration reicht zurück in die elterliche Apotheke und nach Griechenland, wo ihre Großmutter bei der täglichen Pflege auf Olivenöl vertraute.

In den heutigen Formulierungen treffen Pflanzenöle auf Hyaluronsäure, Ceramide, Squalan und Bakuchiol. Die leichte beziehungsweise reichhaltigere Creme lässt sich je nach Hautbedürfnis mit dem Serum kombinieren. Laut Hersteller werden die veganen Produkte in Österreich gefertigt. Der Ansatz passt zu allen, die morgens lieber ihre Haut pflegen, als die Reihenfolge von sieben Fläschchen zu rekonstruieren.

Your Skin Loves Me © lippzahnschim

Vom Schminktisch in den Health Hub

Während hier reduziert wird, zieht andernorts mehr Technik ein. Anfang November eröffnet mediora. Der vom Zahnarzt Leon Golestani gegründete Health Hub verbindet Zahnmedizin mit Anwendungen rund um Prävention und Regeneration. Zum Angebot gehören Sauerstoffanwendungen, Ganzkörperkryotherapie sowie Rot- und Nahinfrarotlicht. Fitnessraum, Sauna und interaktive Trainings für Koordination und Reaktion ergänzen das Konzept. Damit greift das Haus den Longevity-Gedanken auf: möglichst lange gesund und selbstbestimmt zu leben.

mediora, © ITS SO_ME Agency

Vielleicht liegt Wiens interessantestes Beauty-Geheimnis deshalb weniger in einer bestimmten Rezeptur als im Nebeneinander verschiedener Möglichkeiten. Zwischen traditionsreicher Pflege und neuer Technologie bleibt Platz für eine eigene Vorstellung von Schönheit. Und anders als am kaiserlichen Hof darf die auch mit deutlich weniger Aufwand auskommen.