In der neuesten Ausgabe von look! nimmt Uschi Pöttler-Fellner in ihrer Kolumne „Look into my Life“ mit gewohntem Humor die kleinen und großen Selbstzweifel rund um Äußerlichkeiten ins Visier – und zeigt, wie gelassen man damit umgehen könnte, wären da nicht die ehrlichsten Kritikerinnen von allen: die eigenen Töchter.
Alltägliche Unzufriedenheit und überraschende Gelassenheit
Gerne möchte ich heute Folgendes mit Ihnen teilen: Angenommen, Sie sind mit Ihrem Gewicht unzufrieden oder mit Ihrer Frisur oder mit dem vierten Leberfleck von links auf der rechten Backe. Und Sie schaffen es gerade nicht, gesünder zu essen oder endlich zum Friseur zu gehen oder den Leberfleck zu überschminken, weil es Tage gibt, an denen das halt wurscht ist. Was passiert dann? Etwas sehr Erstaunliches!
Ihre Nachbarn grüßen Sie weiterhin oder auch weiterhin nicht, je nachdem, was Sie für Nachbarn haben. Keiner zeigt mit dem Finger auf Ihre vermeintliche Schwachstelle, klopft sich vor Vergnügen auf die Schenkel und wiehert: „Ha, so eine hässliche Speckrolle über dem Hosenbund habe ich schon lange nicht gesehen (bzw. so eine fade Frisur bzw. so einen grauenhaften Leberfleck)!“ Ich plädiere also für buddhistische Gelassenheit bei Fragen zu Äußerlichkeiten.
Die ehrlichsten Kritikerinnen: Töchter
Außer, Sie haben Töchter! Ich glaube ja, der Dalai Lama kann nur deshalb so gewaltig in sich ruhen, weil er keine Tochter hat, die an ihm rumkritisiert.
Unlängst, Tochter Nr. 1, auf Blitzbesuch in meiner Küche: „Kann es sein, dass du zugenommen hast, Mama?“ Ich, gerade voller Mund, vor dem Runterschlucken: „Hmm? Wieso?“ Tochter: „Na, nur so, ich kann mich irren, und steht dir eh gut! Ab einem gewissen Alter ist es besser, wenn man, also nicht mehr … also etwas … und wahrscheinlich ist das ja nur das Kleid, das du anhast …“ Ich, an mir herunterschauend und auf das Schlimmste gefasst: „Was ist mit dem Kleid?“ Tochter: „Ist eh schön, aber … also für das Kleid bist du, äh, also schönes Kleid, aber die Farbe und das Muster? Sehr bunt. Also für dich. Aber egal, wenn’s dir gefällt!“ Ich meistere den Tag, ohne dem Spott meiner Umgebung ausgesetzt zu sein. Der Abend versprach weiteren Segen, Tochter Nr. 2 kündigte sich an.
Noch mehr gut gemeinte Kritik
Schaute mich an. Sprach: „Gut schaust du aus! Aber du solltest einmal wieder zum Friseur gehen, oder?“ Ich: „Warum, ich war letzte Woche …“ Tochter: „Na, weil deine Haare, also, ab einem gewissen Alter wirkt es besser, wenn sie kürzer sind. Und deine Sommersprossen solltest du dir vielleicht lasern lassen, die gehen dann schnell weg. Oder du überschminkst sie. Also nur ein Vorschlag, weil kein Mensch hat jetzt mehr Sommersprossen.“
In Kombination mit den zu langen Haaren und dem zu bunten Kleid stelle ich offensichtlich eine Zumutung für meine Umwelt dar. Ich schlug vor, mich notschlachten zu lassen, dann wären alle Probleme fix vom Tisch. Was mit verdrehten Augen und einem „Jetzt sei doch nicht gleich so beleidigt“ quittiert wurde. Meine Töchter haben definitiv einen anderen Humor als ich, meiner ist besser, finde ich.
Zwischen Anpassung und Rebellion
Um weitere Kritik zu vermeiden, stehen die Chancen gut, dass ich demnächst wie Miss Ellie aus „Dallas“ auftrete. Sie wissen schon, die gütige Alte mit der grauen Beton-Frisur und den wadenlangen Röcken aus strapazfähigem Tuch. Wobei, die Rebellin in mir fühlt sich dann schon eher zur dauerberauschten Sue Ellen hingezogen: seidener, halb offener Morgenrock um 16 Uhr am Nachmittag. Whisky-Flasche lässig unter dem Arm. Stufenschnitt, Pony seitlich ins Gesicht fallend. Todtrauriger Blick. Geht doch! Hicks.
Wieso komme ich jetzt von meinen Töchtern auf Sue Ellen? Wahrscheinlich, weil mir die Szene präsent ist, in der Bösewicht J. R. Ewing vor seiner, hicks, im Morgenrock wankenden Frau steht und trocken anmerkt: „Sue Ellen, du siehst heute wieder richtig Sch… aus.“ Dabei hatte die doch gar keine Töchter, oder?
Mehr dazu in der neuen Ausgabe vom look!


