Women of the Week: Mette Frederiksen

© Thomas Dahlstrøm Nielsen

Sie ist nicht die Lauteste im Raum, aber oft die Bestimmteste. Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen steht international für eine klare Linie in Fragen von Souveränität und Sicherheit – und genau damit passt sie perfekt in eine Zeit, in der geopolitische Macho-Machtgebärden wieder salonfähig werden. Während andere zögern oder relativieren, bleibt sie fest. Unaufgeregt, aber unmissverständlich.


Herkunft als innere Linie

Geboren 1977 in Aalborg, aufgewachsen in einer Arbeiterfamilie mit tiefen Wurzeln in der Gewerkschaftsbewegung, ist ihr politischer Kompass früh geprägt worden. Sie zog mit 24 ins Parlament ein, arbeitete sich durch klassische Parteifunktionen und übernahm Ministerämter, bevor sie 2019 jüngste Ministerpräsidentin in der Geschichte Dänemarks wurde – und erst die zweite Frau in diesem Amt. Ihre Ausbildung in Sozialwissenschaften und Afrikastudien, ihre Zeit bei den Gewerkschaften: all das fließt spürbar in ihre Politik ein.

© Thomas Dahlstrøm Nielsen

Souveränität ist nicht verhandelbar

Als Dänemark während der Corona-Pandemie schnelle Entscheidungen brauchte, handelte Frederiksen entschlossen. Ihr Krisenmanagement brachte ihr Respekt ein – auch über Parteigrenzen hinweg. International bekannt wurde sie spätestens, als sie aktuell den Vorschlag aus Washington, Grönland zu kaufen, knapp und klar zurückwies. „Nicht zum Verkauf“ – drei Worte, die mehr sagten als jede diplomatische Erklärung. Auch im Ukrainekrieg positionierte sich Dänemark unter ihrer Führung eindeutig: militärische Unterstützung, politische Rückendeckung, Einsatz für eine eigenständigere europäische Verteidigung. Frederiksen denkt Sicherheit nicht abstrakt, sondern konkret – und europäisch.

Lange galt sie als eher euroskeptisch, heute wirbt sie offen für eine stärkere EU-Zusammenarbeit, insbesondere in Verteidigungsfragen. Der Wandel wirkt nicht taktisch, sondern pragmatisch: Die Weltlage hat sich verändert, und Frederiksen passt ihre Politik daran an. Auch im Nahostkonflikt bleibt sie vorsichtig, setzt auf eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung statt symbolischer Schnellschüsse.

NATO Generalsekretär Mark Rutte mit der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen © NATO

Weibliche Führung, ohne Etikett

Frederiksen macht keine Politik „für Frauen“, sondern mit Haltung. Gleichstellung ist für sie kein Kampagnenbegriff, sondern Voraussetzung. Besonders deutlich wird das in der Gesetzgebung gegen sexualisierte Gewalt: Seit 2021 gilt Sex ohne Zustimmung als Vergewaltigung, Strafen für Stalking und Missbrauch wurden verschärft, kulturell oder religiös begründete Unterdrückung von Frauen klar zurückgewiesen. Still, aber konsequent.