Das Menü steht fest, die Begleitung noch nicht: Supper Clubs machen das Abendessen zum kleinen gesellschaftlichen Abenteuer. Und geben dem Ausgehen eine neue Würze – auch in Wien.
Guess who’s coming to dinner
Für einen guten Abend braucht es manchmal Menschen, die noch nicht im eigenen Telefon gespeichert sind. Supper Clubs bringen sie an einen Tisch: Man bucht einen Platz, lässt sich bekochen und lernt zwischen Aperitif und Dessert die anderen Gäste kennen. Eine Dinnerparty, für die niemand den eigenen Freundeskreis zusammentrommeln muss.
Auf der Gästeliste: der Zufall
Wie persönlich das werden kann, zeigt Borralho in Wien. Das portugiesische Küchenprojekt richtet Supper Clubs mit 15 oder 16 Plätzen in Galerien, Studios oder Bäckereien aus. Ein gemeinsames Menü, ein wechselnder Schauplatz, Teilnahme auf Einladung: Für einen Abend bekommt ein vertrauter Ort einen anderen Geschmack.
Beim Dinnerformat Timeleft übernimmt eine App die Platzierung. Sie bringt auch in Wien kleine Gruppen in Restaurants zusammen, nach Angaben des Anbieters unter anderem anhand von Interessen und Sprache. Gebucht wird allein, gegessen gemeinsam. Für die Organisation braucht es ein Abonnement, Essen und Getränke kommen extra dazu.
Gute Gesellschaft als Hauptgang
Der Charme solcher Abende liegt im offenen Ausgang. Vielleicht bleibt es beim Gespräch über die Vorspeise. Vielleicht wird aus dem unbekannten Gegenüber die nächste Theaterbegleitung. Immerhin haben alle am Tisch schon etwas gemeinsam: die Bereitschaft, sich auf neue Menschen einzulassen.
Dass gemeinsames Essen und soziale Verbundenheit zusammenhängen, legt auch eine britische Untersuchung des Oxford-Psychologen Robin Dunbar nahe. Menschen, die häufiger in Gesellschaft aßen, berichteten tendenziell von größerer Lebenszufriedenheit. Eine Freundschaftsgarantie lässt sich daraus freilich nicht ableiten.
Die braucht es aber auch nicht. Ein köstlicher Abend, eine überraschende Geschichte und ein Gespräch, das länger dauert als geplant, wären bereits ziemlich gute Gründe, noch auf ein Dessert zu bleiben.


