Mordsgeschichten zur Melange: Die Wiener Kriminacht

Volle Kaffeehäuser, rätselhafte Fälle und ein frisch gekürter Preisträger: Bei der 22. Wiener Kriminacht drehte sich einen Abend lang alles um das Verbrechen – zumindest auf den Buchseiten.


Spannung statt Herbstblues

Draußen pfeift der Wind um die Häuser, drinnen wartet eine heiße Tasse Kaffee und ein gutes Buch: Der Herbst ist wie gemacht für Geschichten, bei denen man am liebsten noch ein Kapitel weiterliest. Wenn dann auch noch eine Leiche auftaucht oder ein Geheimnis gelüftet werden will, ist der gemütliche Abend perfekt.

Bei der Wiener Kriminacht wurde das Lesen am 22. Oktober zum gemeinsamen Erlebnis. Mehr als 30 Lesungen führten durch Kaffeehäuser in der ganzen Stadt. Autorinnen und Autoren präsentierten ihre Geschichten, während das Publikum bei Kaffee und Kuchen in rätselhafte Fälle eintauchte. Viele Veranstaltungen waren bereits im Vorfeld ausreserviert – vor dem Café Frauenhuber bildete sich für die Lesung von Beate Maly sogar eine lange Warteschlange.

Ein Krimipreis für Fabian Navarro

Zu den Höhepunkten des Abends gehörte die Verleihung des Wiener Krimipreises 2026. Über die Auszeichnung freute sich Fabian Navarro, der noch am selben Abend im Café Museum aus seinem Roman „Vienna Falling“ las. Darin geraten deutsche Touristinnen und Touristen während ihres Wien-Aufenthalts in einen Kriminalfall. Für Navarro war der Preis auch eine besondere Verbindung zu seiner Wahlheimat. „Ich bin selber nicht aus Wien und habe mir die Stadt durch dieses Buch quasi angeschrieben“, sagte der Autor. Dass ihm dafür ein Preis verliehen werde, bedeute ihm sehr viel.

Bekannt wurde Navarro zuvor mit seiner humorvollen Katzen-Krimiserie „Miez Marple“. Auf der Shortlist für den Wiener Krimipreis standen neben ihm Angelika Hager, Ursula Poznanski, Stefan Slupetzky und Martina Parker. Die Laudatio hielt Buchhändlerin und Autorin Petra Hartlieb, die den Preis im Vorjahr selbst erhalten hatte.

Von Kunstraub bis Mord am Wolfgangsee

Die Geschichten des Abends führten weit über Wien hinaus. In Patrick Budgens „Der Cicero-Coup“ planen die Bewohnerinnen und Bewohner einer Seniorenresidenz einen Kunstraub. Angela Szivatz wiederum schickt ihr Publikum mit „Mörderisches Gspür“ an den Wolfgangsee, wo zwei Morde die vermeintliche Idylle erschüttern.

Stefan Slupetzky erzählte in „Nichts wie weg“ von einer Wiener Zuckerbäckerin und einem finnischen Fälscher auf der Flucht vor der albanischen Mafia. Und bei Angelika Hager verriet bereits der Titel, dass es auch in der süßen Wiener Küche gefährlich werden kann: „Pardon, aber da schwimmt eine Leiche in der Schokolade“.

Wenn Musik auf Nervenkitzel trifft

Dass Spannung nicht allein zwischen Buchdeckeln entsteht, zeigte die Violinistin und Krimiautorin Natasha Korsakova. Mit ihrem musikalisch-literarischen Beitrag verband sie klassische Musik und Kriminalliteratur – und gab dem Genre eine weitere Klangfarbe. Die große Resonanz freute auch Anna Pöttler, Geschäftsführerin von echo event.

Besonders schön sei, dass die Kriminacht zunehmend ein jüngeres Publikum erreiche und Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenbringe. Für alle, die nun selbst Lust auf einen spannenden Leseabend bekommen haben, dürfte nach dieser Nacht jedenfalls eines feststehen: An Krimistoff für lange Herbstabende mangelt es nicht.

alle Bilder: © Elisabeth Lechner