Skulpturale Formen, französischer Chic und ein prominenter Fanclub: Polène hat sich einen festen Platz auf den Fashion-Wunschlisten gesichert. Am 22. Oktober eröffnet das Label seinen ersten Store in Österreich – beste Gelegenheit, die Online-Liebe einem Realitätscheck zu unterziehen.
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Manche Accessoires bleiben länger im Kopf als das Outfit, zu dem sie getragen werden. Eine ungewöhnliche Rundung, ein elegant gefaltetes Stück Leder, eine Silhouette, die selbst Jeans und weißem T-Shirt etwas Besonderes gibt. Polène beherrscht diesen kleinen Stilkniff ziemlich gut. Jetzt rückt die Pariser Marke auch geografisch näher: Am Michaelerplatz 2, direkt neben der Hofburg, bekommt sie ihre erste österreichische Adresse. Der Standort ist prominent, die Versuchung künftig bequem zu Fuß erreichbar.
Kurven mit Charakter
Der Reiz beginnt beim Design. Polène arbeitet mit Volumen, weichen Linien und Faltungen, die Leder beinahe wie Stoff wirken lassen. Die 2016 von drei Geschwistern gegründete Marke verbindet reduzierte Gestaltung mit einer Portion Experimentierfreude. Ihre Entwürfe haben genug Eigenleben, um aufzufallen, und lassen trotzdem Raum für den persönlichen Stil.
Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigen zwei Modelle: Die „Numéro Dix“ zeichnet einen klaren Halbmond, während die „Cyme Tote“ die Idee der geräumigen Alltagstasche in eine skulpturale Form übersetzt. Zum Oversize-Blazer wirken solche Konturen elegant, neben grobem Strick setzen sie einen spannenden Akzent. Ein bisschen Galeriegefühl für die Garderobe – allerdings mit Platz für die Dinge, die tatsächlich mitmüssen.

Ein Gastauftritt mit Folgen
Zum internationalen Bekanntwerden trug auch „Emily in Paris“ bei. Polène-Taschen waren bereits in der ersten Staffel zu sehen; später kamen weitere Auftritte hinzu. Catherine, Princess of Wales, sorgte mit einer dunkelblauen „Numéro Sept Mini“ ebenfalls für Aufmerksamkeit. Eine ziemlich wirkungsvolle Kombination: Netflix liefert die Stylingfantasie, ein royaler Auftritt den eleganten Anlass.
Die Ästhetik funktioniert aber auch ohne Serienkulisse. Gerade zu einer unkomplizierten Garderobe entfalten die Entwürfe ihren Charme. Mantel, Denim, Loafer: Die Tasche bringt die raffinierte Linie hinein. Damit lässt sich selbst ein gewöhnlicher Dienstag modisch ein wenig aufwerten.
Paris denkt, Spanien fertigt
Hinter den geschwungenen Silhouetten steckt handwerkliche Arbeit. Entworfen werden die Lederwaren im Pariser Studio; der Großteil der Taschen entsteht laut Polène im spanischen Ubrique, einem Ort mit ausgeprägter Ledertradition. Dort greifen Zuschnitt, Verarbeitung und Formgebung ineinander.


Das lässt sich besonders an den Übergängen und Rundungen ablesen. Was auf einem Foto selbstverständlich erscheint, verlangt in der Herstellung Präzision. Schließlich soll eine Falte genau dort sitzen, wo sie dem Modell seinen Charakter gibt – und auch dann noch gut aussehen, wenn der Inhalt den sorgfältig geplanten Minimalismus wieder einmal sabotiert.
Wunschliste trifft Wirklichkeit
Mit dem Wiener Store bekommt das bisher oft digitale Kennenlernen eine sinnliche Ergänzung. Leder lässt sich anfassen, ein Farbton bei Tageslicht betrachten und der Riemen über die Schulter legen. Auch die Größenfrage wird plötzlich sehr konkret: Passt nur das Nötigste hinein oder darf der halbe Alltag mit?
Genau darin liegt der schönste Anlass für einen Besuch. Zwischen Bildschirm und Spiegel zeigt sich, welcher Entwurf wirklich zur eigenen Garderobe gehört. Die gespeicherte Lieblingsfarbe bekommt Konkurrenz, das zunächst übersehene Modell seinen großen Auftritt. Und der nächste Innenstadtbummel womöglich einen kleinen Umweg.
© Bilder: POLÈNE


