Das von der Regierung beschlossene Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige sorgt aktuell für Diskussionen und beschäftigt auch mich – einerseits als Gründerin einer Social Media-Agentur, andererseits als Mutter einer 7-jährigen Tochter. Und ja – grundsätzlich finde ich das Verbot als Signal wichtig und gut. Es zeigt, dass wir als Gesellschaft beginnen zu verstehen, wie viel Wirkung diese Plattformen tatsächlich haben und wie viel Gefahren in den sozialen Netzwerken lauern.
Gleichzeitig sehe ich im Verbot alleine keine langfristige Lösung.
Denn die eigentliche Herausforderung wird damit nicht gelöst, sondern verschoben. Kinder und Jugendliche werden früher oder später Teil der digitalen Welt sein. Die Frage ist also nicht, ab wann sie Social Media nutzen, sondern wie gut sie darauf vorbereitet sind. Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir Kindern früh vermitteln: Social Media ist kein Spielzeug. Es ist ein Raum mit Möglichkeiten, aber auch mit Einfluss, mit Druck und mit Verantwortung.
Selbst Erwachsene spüren, wie stark Social Media auf das eigene Denken und Fühlen wirken kann. Vergleich, Bewertung und permanente Sichtbarkeit sind Themen, mit denen viele zu kämpfen haben. Kinder sind diesen Mechanismen noch viel ungeschützter ausgeliefert. Deshalb halte ich es für richtig, dass wir das Thema ernst nehmen. Wenn junge Menschen früh mit Druck und Vergleich konfrontiert werden, dann dürfen wir das nicht als nebensächlich abtun.
Gleichzeitig bin ich überzeugt: Ein Verbot allein reicht nicht.
Was aktuell fehlt, ist nicht Kontrolle, sondern Begleitung. Wir müssen Kindern und Jugendlichen helfen zu verstehen, was in dieser digitalen Welt passiert. Was Sichtbarkeit bedeutet. Wie sie mit Feedback umgehen können. Und wie sie bei sich bleiben, auch wenn sie online sind.
Diese Fähigkeiten werden immer wichtiger. Es sind Kompetenzen, die in Zukunft darüber entscheiden, wie sicher und selbstbestimmt sich Menschen im digitalen Raum bewegen können. Deshalb wünsche ich mir, dass wir dieses Verbot als Anfang sehen. Als Anlass, um das Thema endlich breiter zu denken. In Schulen, im Alltag und im familiären Umfeld. Aufklärung und Begleitung sind der Schlüssel zu einem bewussten Umgang mit den Online-Kanälen. Und zwar nicht erst dann, wenn Kinder online gehen, sondern schon lange davor.
Über Delphine Rotheneder
Delphine Rotheneder ist Social-Media-Expertin, Unternehmerin und Autorin aus Klagenfurt. Sie unterstützt seit vielen Jahren Selbstständige und Unternehmen dabei, Social Media strategisch und bewusst zu nutzen – ohne sich im digitalen Druck zu verlieren. Als Mutter einer 7-jährigen Tochter liegt ihr der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien besonders am Herzen.



